Multitool auf dem Trail
VORTEILE
- Gute Traktion
- Gutes Kurvernverhalten
- Nassgrip perfekt
- Gutes Preis- Leistungsverhalten
NACHTEILE
- Hohes Gewicht
- Rollverhalten erhöht
BEWERTUNG
Gerade im Winter ist das Fahren mit dem Mountainbike sehr vom aktuellen Wetter abhängig. Wer sich dennoch nicht die Freude am Fahren durch den Wald , bergab oder sogar im Urlaub im Winter nehmen lassen möchte, braucht dringend gutes Equipment. Dazu gehört nicht nur der Wetterschutz gegen die Elemente, sondern auch ein geeignetes Arbeitsgerät in Form von einem fahrbaren Untersatz und allem was dazu gehört.
Natürlich könnte ich jetzt aufzählen, dass auch geeignete Protektoren wichtig sind. Vielmehr geht es aber bei diesem Test um den direkten Kontakt vom Fahrrad zum Untergrund, den Reifen. Hersteller von Fahrradreifen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Ähnlich wie bei Autoreifen auch, verliert der Kunde gerne mal den Überblick über das große Angebot und hat somit die Qual der Wahl bei der Produktwahl.
Aus meiner Erfahrung heraus, sollte man beim Kauf eines Fahrradreifens zuerst einmal der Frage nachgehen, wozu ich den Reifen überhaupt brauche. Natürlich steht das Fahrradfahren im Vordergrund. ABER gleichermaßen kommt es auch auf die persönlichen Vorlieben des Bikers an. Folgende Kriterien sollten beim Kauf eines Mountainbikereifens daher in Betracht gezogen werden.
- Fahranfänger oder Fortgeschrittene Fahrer
- Hometrails oder Bikepark
- Abfahrtsorientiert oder gemütlicher Cofferacer
- XC, DH, Downcountry, Enduro, Slope, Trial…………..
Genauso viele, oder viel mehr Hersteller haben sich diesen Themen angenommen und haben daraus ihre eigene Philosophie, Gummimischungen , Gewebestrukturen oder Reifenprofil entwickelt. Schlussendlich geht es darum, den besten Reifen für das eigene Fahrgefühl zu bekommen.
Diese Suche kann sich mitunter länger gestalten, gespickt mit Stürze, Flüche, Verwünschungen oder einfach nur Frust nach dem 100.000sten Plattfuß. Jedem und jeder Fahrerin muss aber klar sein, dass mit der falschen Reifenwahl sogar Leben auf dem Spiel stehen. Ich sag das nicht aus Jux, sondern eigener schmerzlicher Erfahrungen. Zu diesen gehörte auch ein “Snakebite“ auf einer DH-Strecke mit XC-Reifen, wonach ich “nur“ eine Abkürzung von einem Geburtstag mit dem falschen Laufradsatz machen wollte. Keine gute Idee für meinen Kopf, autsch.
Lange Rede, gar kein Sinn, hier geht es um Grip, Sicherheit und Usability von entsprechendem Gummi für den entsprechenden harten Einsatz. Dazu braucht es auch das entsprechende Arbeitsgerät um meiner Meinung nach sicher zu sein. Gummi ist nicht gleich Gummi und Reifen ist nicht gleich Reifen. ABER wer die Wahl hat, hat die Qual und dann geht die Suche erst richtig los.
Vor einigen Jahren gab es im Mountainbike Segment 4 oder 5 große Marken die den Reifenmarkt dominiert hatten. Einige waren dann ganz weg, andere kamen wieder. So hat sich ergeben, dass beim Kauf vorinstallierte Reifen am Bike oft runter gefahren wurden und dann das Problem mit der Suche erst angefangen hat. Marken wie das große S oder das große C haben ihre Produktpalette komplett umgestellt und ihr Sortiment erweitert oder wie erst jüngst geschehen mit Radialreifen erweitert.
Einer dieser Player ist auch PIRELLI, die im Autosegment sehr brauchbare Performance abliefern. Die Reifen dort sind hochpreisig, gut gesetzt und in Tests immer ganz weit vorn mit dabei. Kaum jemand kann also Pirelli aus dem Motorsport wegdenken und viele verbinden die Marke mit Siegen in der Formel eins.
Das Fahrradsegment ist Pirelli‘s jüngstes Kind und nach meiner Wahrnehmung noch nicht so weit verbreitet bei Mountainbiker. Aber auch im XC Bereich, also Crosscoutry hat Pirelli schon Weltmeisterinnen hervorgebracht. Mit Evi Richards einer sehr erfolgreichen Fahrerin gelang das Pirelli nicht nur ein Mal. Gerade deshalb ist es nach vielen Jahren,meiner persönlichen Mountainbikegeschichte einer Menge Tests und blauen Flecken eine Herzensangelegenheit neues Material zu testen.
Unboxing
Die neuen Pneus (Scorpion EN Race T/ 29x2,5) kommen direkt von Pirelli in einer Box zu mir nach Hause, unmittelbar und fix nach der Bestellung. Nach dem Öffnen kommt einem der typische Reifengeruch entgegen. Für mich ein tolles Gefühl, weil es jetzt dran geht die Reifen aufzuziehen.

Bevor das geschieht, kommen sie noch auf die Küchenwaage. Gleich wird klar, diese Reifen brauchen es hart bergab 😉 Mit satten1,290 KIlo pro Reifen sind sie eine Ansage für die rotierende Masse am Bike. Klar ist aber auch, wer diese Schlappen aufzieht, der hat was ganz wildes vor. Deshalb muss vor dem Kauf schon klar sein, dass es entweder ein E-Antrieb braucht, eine Bergaufhilfe in Form eines Lifts oder gute “Endurowaden“.
Auf die Race- Version bin ich am meisten gespannt, da es den Enduro nur in der Dual- Wall- Variante gibt im Gegensatz zur Enduro S- Version in der ProWall Karkasse. Dies hat vor allem Auswirkungen auf das Profil. Ich habe zum Test die 29 x 2.5 Zoll erhalten.


Außerdem ist bei näherem Betrachten das Reifenprofil auf Sicherheit, Bergabperformance und Komfort ausgelegt. Ich distanziere mich hiermit von aggressiv zu sprechen, was gerne der gängige Slang in Bikezeitschriften ist. Weder ich noch mein Bike sind aggressiv beim Bergabfahren. Man muss aber sagen, dass allein beim Anschauen des Profils die Lust entsteht, das Fahrrad hart bergab zu steuern. Die Schattenseite ist auch gleich ausgemacht, nämlich wieder nach oben zu treten. Der Unterschied zu einem Crosscountryreifen (XC-Reifen) ist nicht zu übersehen.

Für den Test wurden identische Newmen-Laufräder mit einer Maulweite von 30 Millimetern an einem Propain Hugene genutzt.

Reifen in der Praxis
Frisch aufgezogen geht es mit dem Bike raus und auf den Feldweg. Wie bereits erwartet rollen die Schlappen etwas schwerer als ein klassischer Mountainbikereifen. Zum Einen ist das der Reifenbreite geschuldet, denn mit 2.6“ Reifenbreite ist das kein Kind von Traurigkeit. Zum Anderen natürlich auch dem Reifenprofil, welches eher Enduro-Gene, also Bergabperformance als Bergaufqualitäten hat.
Dazu sei noch gesagt, dass Enduro die Kunst des Fahrradfahrens einschließt größere Touren zu machen. Diese Touren beinhalten mindestens 30km und mehr und Fahrspaß sowohl auf Trails im Wald als auch Asphalt, Waldautobahn und Schotter. Vergleichbar mit einem XC-Reifen ist ein Enduroreifen vielseitiger Verwendbar in punkto Sicherheit und Komfort.

Beim Rollen auf der Tour durch den Wald wird auch gleich klar, der Reifen macht Lust auf mehr und vor allem mehr bergab. Ich bemerke, dass vor allem der Vorderreifen auf losem Untergrund und erdigem Boden viel Dreck, Erde und Unrat einsammelt. Das bleibt vor allem im Mittelteil bei niedrigen Geschwindigkeiten lange erhalten. Erst bei etwas schnellerer Geschwindigkeit löst sich alles und wird sauberer. Die Selbstreinigung bei so grobstolligen Reifen ist immer so eine Sache und gleichzeitig ein Kompromiss zwischen Grip, Rollverhalten und Traktion.
Wenn es um Grip und Traktion geht ist der Pirelli nahezu unschlagbar. Ich habe bereits Enduroreifen von anderen Marken wie dem großen S oder dem großen C fahren können und muss sagen, dass der Pirelli alle übertrumpft. Schon beim Auspacken hat er auf dem glatten Küchenboden in der Wohnung förmlich geklebt und macht schmatzende Abrollgeräusche 😊 Da hat es mich doppelt gefreut den Pneu mal in Natura ausführen zu können. Ich muss sagen, ich wurde auf keiner Linie (des Trails) enttäuscht.

Die Fahrcharakteristiken punkten in Sachen Lenkeigenschaften an der Front und gutem Bremsverhalten hinten sowie vorne. In Sachen Traktion auf trockenem Untergrund und losem Waldboden sind die Pneus auf Augenhöhe mit anderen namhaften Reifen auf dem Markt. Im Nassen und auf steinigem Untergrund greift die Race-Version spürbar besser als alle davor montierte Reifen anderer Hersteller auf dem Markt.

Die Unterschiede zu anderen Reifenherstellern wird vor allem beim Kurvenhalte deutlich. Ein Ausbrechen auf Schotter oder in Kurven lässt den Reifen sowohl vorne als auch hinten kaum ausbrechen. Dank der versetzten aber durchgehenden Seitenstollen und den Freiräumen im Mittelteil, die großzügig gestaltet sind klebt der Reifen förmlich in den Kurven.
FAZIT
Der Pirelli punktet vor allem mit viel Eigendämpfung und anpassungsfähiger Seitenwand. Das macht ihn zu einem Enduroreifen der mit tollen Fahreigenschaften auftrumpft. Selbst bei nassen Verhältnissen kommt er noch lange nicht an seine Grenzen und gibt in allen Terrains Sicherheit.
Er fühlt sich auf Endurotouren als auch im Bikepark wohl und ich kann mir gut vorstelllen, dass er am E-Bike gut genutzt wird. Der Scorpion Race EN M macht meiner Meinung nur dort sinn, wo ein Lift in der Nähe ist wie im Bikepark oder dort wo Shuttletouren angeboten werden. Beispielsweise in Italien am Lago di Como der Kanarische Inseln wo der Untergrund wirklich steinig und schroff ist. Überall dort eben wo Pannenschutz und Komfort eine große Rolle spielt.